Lange hab’ ich überlegt,
wie ich’s dir sagen kann.
Einen Brief versucht zu schreiben,
ihn verworfen, nur um dann
einzuseh’n: Es ist ganz leicht!
Ich muss es einfach wagen.
Und mit einem Reim aus tiefstem Herz
‚Ich liebe Dich‘ dir sagen.
Ein kurzes lustiges Herbstgedicht für Kinder lautet:
Drachentanz Bunte Bäume, Blättersegen,
Stoppelfeld und Sausewind.
Egal, ob Niesel oder Regen:
Hol den Drachen raus, mein Kind!Lass ihn steigen in die Höhe,
schau dir an den wilden Tanz.
Erfasst ihn auch mal eine Böe,
wedelt er frech mit dem Schwanz.
Es gibt kein klassisches Herbstgedicht von Heinz Erhardt (1909–1979). Jedoch spielt der Herbst eine wichtige Rolle in seinem Gedicht „Der Winter“:
Wenn Blätter von den Bäumen stürzen,
die Tage täglich sich verkürzen,
wenn Amsel, Drossel, Fink und Meisen
die Koffer packen und verreisen,
wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir versäumten zu zerdrücken,
von selber sterben – so glaubt mir:
es steht der Winter vor der Tür!
Ich lass ihn stehn!
Ich spiel ihm einen Possen!
Ich hab die Tür verriegelt
und gut abgeschlossen!
Er kann nicht rein!
Ich hab ihn angeschmiert!
Nun steht der Winter vor der Tür –
und friert!
Das wohl bekannteste Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke (1875–1926) ist „Herbsttag“:
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.