Welche Arten von Kadenzen gibt es in Gedichten?

Man unterscheidet in Gedichten drei Arten von Kadenzen. Dabei kommt es auf die Betonung der letzten beiden Silben der Verse an:

  1. Männliche Kadenz: Die vorletzte Silbe des Verses ist unbetont und die letzte Silbe ist betont.
  2. Weibliche Kadenz: Die vorletzte Silbe des Verses ist betont und die letzte ist unbetont.
  3. Reiche Kadenz: Die letzten beiden Silben sind unbetont.

Die männliche Kadenz wird auch als ‚steigende‘ oder ‚stumpfe‘ Kadenz und die weibliche Kadenz auch als ‚fallende‘ oder ‚klingende‘ Kadenz bezeichnet. Häufig kommen in deutschen Gedichten sowohl männliche als auch weibliche Kadenzen vor.

Ein anderer Ausdruck für die reiche Kadenz lautet ‚gleitende Kadenz‘. Sie ist in deutschen Gedichten eher selten, da sich im Deutschen meistens betonte und unbetonte Silben abwechseln.

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Was ist abcb für ein Reimschema?

Wenn die Reime in einer Strophe dem Muster a-b-c-b folgen, ist das Reimschema ein sogenannter ‚halber Kreuzreim‘.

Da sich bei einem halben Kreuzreim nur jeder zweite Vers reimt, wird das Schema meistens so angebeben: x-a-x-a / x-b-x-b / x-c-x-c usw.

Die Verse, die sich nicht reimen, bekommen also keinen eigenen Buchstaben, sondern werden einfach mit ‚x‘ markiert.

Ein Beispiel für ein Gedicht, das als Reimschema einen halben Kreuzreim hat, ist „Mein Bruder war ein Flieger“ (1937) von Bertolt Brecht:

Mein Bruder war ein Flieger (x)
Eines Tages bekam er eine Kart (a)
Er hat seine Kiste eingepackt (x)
Und südwärts ging die Fahrt. (a)

Mein Bruder ist ein Eroberer (x)
Unserm Volke fehlt’s an Raum (b)
Und Grund und Boden zu kriegen, ist (x)
Bei uns alter Traum. (b)

Der Raum, den mein Bruder eroberte (x)
Liegt im Guadarramamassiv (c)
Er ist lang einen Meter achtzig (x)
Und einen Meter fünfzig tief. (c)

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Welches Reimschema hat ein Sonett?

Sonette können verschiedene Reimschemas haben.

Deutsche Sonette der Barockzeit bestehen meistens aus zwei Quartetten (= Strophen mit 4 Versen) und zwei Terzetten (= Strophen mit 3 Versen) mit einem der folgenden Reimschemas:

  • a-b-b-a / a-b-b-a / c-c-d / e-e-d
  • a-b-b-a / a-b-b-a / c-d-e / c-d-e
  • a-b-b-a / c-d-d-c / e-e-f / g-g-f
  • a-b-b-a / c-d-d-c /e-g-f / e-g-f

Ein Beispiel für ein Sonett mit dem ersten Reimschema (a-b-b-a / a-b-b-a / c-c-d / e-e-d) ist „Tränen des Vaterlandes“ (1637) von Andreas Gryphius:

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret. (a)
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun, (b)
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Kartaun (b)
Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret. (a)

Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehret, (a)
Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun, (b)
Die Jungfern sind geschändt, und wo wir hin nur schaun, (b)
Ist Feuer, Pest und Tod, der Herz und Geist durchfähret. (a)

Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut. (c)
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut (c)
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fortgedrungen. (d)

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod, (e)
Was grimmer denn die Pest und Glut und Hungersnot: (e)
Dass auch der Seelenschatz so vielen abgezwungen. (d)

Im englischen Sprachraum herrscht eine andere Form des Sonetts vor, das ‚Shakespeare-Sonett‘ (auch ‚Elisabethanisches Sonett‘ genannt).

Shakespeare-Sonette bestehen aus drei Quartetten (= Strophen mit 4 Versen) und einem abschließenden Verspaar mit folgendem Reimschema:

  • a-b-a-b / c-d-c-d / e-f-e-f / g-g

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Was ist ein Beispiel für einen unreinen Reim?

Ein Beispiel für einen unreinen Reim findet sich in der ersten Strophen von Heinrich Heines „Die Loreley“ (1824):

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
daß ich so traurig bin;
ein Märchen aus alten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Hier klingen die Reimwörter ‚bedeuten‘ und ‚Zeiten‘ ab dem letzten betonten Vokal ähnlich, aber nicht genau gleich.

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Wann ist ein Reim ein unreiner Reim?

Von einem unreinen Reim spricht man, wenn die Reimwörter ab dem letzten betonten Vokal ähnlich klingen, aber nicht genau gleich, z. B.:

  • Zeiten–deuten
  • Lust–Kunst

Die klanglichen Abweichungen können durch Unterschiede bei den Vokalen (Zeiten–deuten) oder bei den Konsonanten (Lust–Kunst) bedingt sein.

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Wie finde ich das Versmaß heraus?

Um das Versmaß (= Metrum) herauszufinden, musst du zwei Fragen beantworten können:

  1. Nach welchem rhythmischen Grundmuster werden die Silben in dem Gedicht betont, z. B. unbetont–betont (= Jambus) oder betont–unbetont (= Trochäus)?
  2. Wie oft wiederholt sich dieses rhythmische Grundmuster in jedem Vers, d. h. wie viele Hebungen gibt es insgesamt?

Nehmen wir als Beispiel die ersten vier Verse des Gedichts „An die Freude“ (1808) von Friedrich Schiller.

Beantwortung der ersten Frage: 

Um die erste Frage beantworten zu können, teilst du zunächst alle Wörter in Silben auf. Anschließend markierst du alle betonten Silben, z. B. indem du sie unterstreichst.

Freu | de, | schö | ner | Göt | ter | fun | ken,
Toch | ter | aus | E | li | si | um,
Wir | be | tre | ten | feu | er | trun | ken,
Himm | li | sche, | dein | Hei | lig | thum.

Wie du siehst, entspricht die Betonung der Silben dem rhythmischen Grundmuster ‚betont–unbetont‘. Dieses rhythmische Grundmuster nennt man ‚Trochäus‘. Die erste Frage ist damit beantwortet.

Beantwortung der zweiten Frage:

Um die zweite Frage beantworten zu können, zählst du einfach die betonten Silben in jedem Vers. In unserem Beispiel sind es in jedem Vers genau vier betonte Silben (= Hebungen).

Damit ist auch die zweite Frage beantwortet und du kannst das Metrum bestimmen: Es ist ein vierhebiger Trochäus.

Weitere Beispiele und Erläuterungen zur Bestimmung des Versmaßes findest du in unseren Artikeln über Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst.

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Wie ist das Versmaß in einer Ballade?

Balladen können in unterschiedlichen Versmaßen (= Metren) geschrieben sein. In den meisten deutschen Balladen ist das vorherrschende Versmaß ein Jambus oder Trochäus.

Beim Jambus folgt die Betonung der Silben dem Muster unbetont–betont (= Senkung-Hebung). Ein Beispiel für eine Ballade, in der jambische Verse vorherrschen, ist Goethes „Der Erlkönig“ (1782).

Beim Trochäus ist es genau umgekehrt. Hier folgt die Betonung der Silben dem Muster betont–unbetont (= Hebung–Senkung). Ein Beispiel für eine Ballade mit dem Trochäus als Versmaß ist Goethes „Der Zauberlehring“ (1798).

Neben Jambus und Trochäus gibt es noch zwei weitere Versmaße, nämlich Daktylus (= betont–unbetont–unbetont) und Anapäst (= unbetont–unbetont–betont). In deutschen Balladen kommen sie jedoch nur selten vor.

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Was ist ein Gedicht mit Binnenreim?

Ein Gedicht mit Binnenreim ist „Morgenklagen“ (1788) von Johann Wolfgang von Goethe.

Ein Binnenreim findet sich hier z. B. in den letzten beiden Versen (= Zeilen) der siebten Strophe:

Hüpft’ ein Kätzchen oben übern Boden,
Knisterte das Mäuschen in der Ecke,
Regte sich, ich weiß nicht was, im Hause,
Immer hofft ich, deinen Schritt zu hören,
Immer glaubt ich, deinen Tritt zu hören.

‚Binnenreim‘ ist in der Verslehre (= Metrik) ein Fachbegriff für verschiedene Reimarten, bei denen mindestens eines der Wörter im Versinneren steht.

Im obigen Beispiel handelt es sich um einen Binnenreim, der näher als ‚Mittelreim‘ bestimmt werden kann. Weitere Arten von Binnenreim sind:

Tipp

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Was ist das metrische Gegenstück zum Anapäst?

Das metrische Gegenstück zum Anapäst ist der Daktylus. Beide Versfüße bestehen aus drei Silben, die jedoch unterschiedlich betont werden.

Hier siehst du das rhythmische Muster der beiden Versfüße auf einen Blick.

  • Anapäst: unbetont–unbetont–betont (= Senkung–Senkung–Hebung)
  • Daktylus: betont–unbetont–unbetont (= Hebung–Senkung–Senkung)

Beim Anapäst sind die ersten beiden Silben unbetont und die dritte Silbe ist betont. Beispiele dafür sind die Wörter ‚E | le | fant‘ oder ‚In | gen | ieur‘.

Beim Daktylus ist die erste Silbe betont und die folgenden beiden Silben sind unbetont. Beispiele dafür sind die Wörter ‚ | ni | gin‘ oder ‚Wan | der | ung‘.

Weitere wichtige Versfüße in deutschen Gedichten sind Jambus (unbetont–betont) und Trochäus (betont–unbetont). Im Unterschied zu Anapäst und Daktylus bestehen sie jeweils nur aus zwei Silben.

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Wie klingt Anapäst?

Der Anapäst ist ein Versfuß, bei dem die Betonung der Silben so klingt:

  •  unbetont–unbetont–betont (= Senkung–Senkung–Hebung)

Einzelne Wörter, die wie ein Anapäst betont werden, sind z. B.:

  • E | le | fant
  • In | gen | ieur

Auch das Wort ‚Anapäst ‘selbst wird wir ein Anapäst betont, nämlich ‚A | na | päst‘. So kannst du dir das rhythmische Muster dieses Versfußes leicht merken.

Weitere wichtige Versfüße in deutschen Gedichten sind Jambus, Trochäus und Daktylus.

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