Aphorismus | Definition, Erklärung und Beispiele

Ein Aphorismus ist ein für sich allein stehender Sachtext in Prosa, der oft

  • aus nur einem Satz besteht,
  • Teile des gemeinten Gedankens ausspart und
  • eine Pointe enthält.
Aphorismus: Beispiele
„In großen Dingen zeigen sich die Menschen so, wie man es von ihnen erwartet, in kleinen geben sie sich so, wie sie sind.“ – Nicolas Chamfort

„Ein Leser hat’s gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.“ – Kurt Tucholsky

„Die Medizin: Geld her und Leben!“ – Karl Kraus

‚Aphorismus‘ bedeutet ‚Abgrenzung‘. Das Wort leitet sich von zwei altgriechischen Wörtern ab:

  • apo = ab, weg
  • horos = Grenze
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Was ist ein Aphorismus? Definition

Der Germanist Harald Fricke setzt für Aphorismen drei Merkmale an, die immer erfüllt sein müssen:

Zusätzlich muss mindestens eins der folgenden vier Merkmale vorliegen:

Abgesondertheit

Ein Aphorismus steht für sich allein, ist also abgesondert von einer bestimmten Situation und vom vorherigen und nachfolgenden Text.

Im Originalwerk kommt er immer zusammen mit anderen Aphorismen vor:

Beispiel: Ausschnitt aus den „Maximen und Reflexionen“ von La Rochefoucauld

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Den Ruhm großer Männer muss man stets an den Mitteln messen, wodurch sie ihn errungen haben.

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Schmeichelei ist eine falsche Münze, die ihren Kurswert nur durch unsere Eitelkeit erhält.

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Es genügt nicht, große Vorzüge zu haben, man muss sie auch zu nutzen verstehen.

Aphorismen bilden eine Reihe von Elementen, die nicht voneinander abhängen.

Jeder Aphorismus einer Reihe bleibt verständlich, auch wenn man den vorherigen oder nachfolgenden weglässt oder die Abfolge der Aphorismen ändert:

Weglassen /

Schmeichelei ist eine falsche Münze, die ihren Kurswert nur durch unsere Eitelkeit erhält.

/

Abfolge

ändern

Schmeichelei ist eine falsche Münze, die ihren Kurswert nur durch unsere Eitelkeit erhält.

Es genügt nicht, große Vorzüge zu haben, man muss sie auch zu nutzen verstehen.

Den Ruhm großer Männer muss man stets an den Mitteln messen, wodurch sie ihn errungen haben.

Keine Aphorismen sind Sprüche, die zwar für sich allein stehen können, aber im Originalwerk mit dem übrigen Text verknüpft sind, wie die markierte Stelle im folgenden Schopenhauer-Zitat:

„[…] So sind denn meistens die Begebenheiten und unsere Grundabsichten zweien, nach verschiedenen Seiten ziehenden Kräften zu vergleichen und die daraus entstehende Diagonale ist unser Lebenslauf. Wir können sagen: Das Schicksal mischt die Karten und wir spielen. Meine gegenwärtige Betrachtung […]“

Sachtext

Aphorismen sind Sachtexte, beziehen sich also im Gegensatz zu fiktionalen Texten auf die Wirklichkeit.

Das unterscheidet sie beispielsweise von Witzen, in denen erfundene Figuren auftreten können:

Aphorismus Witz
„Autovertreter verkaufen Autos, Versicherungsvertreter Versicherungen. Und Volksvertreter?“ – Stanisław Jerzy Lec Sagt einer zu seinem Kumpel: Ein Autovertreter verkauft Autos, ein Versicherungsvertreter Versicherungen. Was verkauft dann ein Volksvertreter?

Prosaform

Aphorismen sind in Prosa verfasst, haben also kein bestimmtes Metrum (Versmaß) und reimen sich nicht.

Sie unterscheiden sich dadurch beispielsweise von Epigrammen und vielen Sprichwörtern:

Aphorismus (Prosa) „Motto: Die Wahrheit finden wollen ist Verdienst, wenn man auch [auf] dem Wege irrt.“ – Georg Christoph Lichtenberg
Epigramm 

(Metrum)

„Steil wohl ist er, der Weg zur Wahrheit, und schlüpfrig zu steigen,

Aber wir legen ihn doch nicht gern auf Eseln zurück.“

– Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller

Sprichwort (Reim) Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht,

und wenn er doch die Wahrheit spricht.

Einzelsatz

Viele Aphorismen bestehen aus einem einzelnen Satz:

„Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.“ – Nicolas Chamfort

Nicht als Aphorismen gelten aber Einzelsätze wie ‚Lachen ist gesund‘, die nur Tatsachen ausdrücken und nicht zum Weiterdenken anregen.

Das Merkmal ‚Einzelsatz‘ ist auch erfüllt, wenn ein Satz unvollständig ist:

„Zeit urbar machen.“ – Georg Christoph Lichtenberg

Bei unvollständigen Sätzen liegt oft auch das Merkmal ‚Aussparung‘ vor (siehe folgendes Kapitel).

Aussparung

Aphorismen sparen oft wichtige Teile des gemeinten Gedankens aus und regen so den Leser an, selber nachzudenken und die Lücke zu füllen.

Beispielsweise bestehen manche Aphorismen nur aus einer Wortgruppe und überlassen es dem Leser, daraus eine Aussage abzuleiten:

Aphorismus Mögliche Ableitung
„Ein wahres Steckbrief-Gesicht.“ – Georg Christoph Lichtenberg Manchen Menschen sieht man ihre üble Gesinnung an.

Je nach Vorwissen und Erfahrungen können Leser Aphorismen unterschiedlich auffassen.

Manchmal teilen Aphorismen etwas scheinbar Triviales mit und bringen den Leser so dazu, die Aussage in einem weiteren Sinn aufzufassen:

Aphorismus Mögliche Erweiterung
„Kein Aufmarsch, bei dem nicht doppelt so viele Beine wie Köpfe kommen.“ – Hans Kasper Viele Teilnehmer von Aufmärschen verstehen nicht, wofür sie aufmarschieren.

Einige Aphorismen beginnen einen Gedankengang, überlassen aber dem Leser den letzten gedanklichen Schritt:

Aphorismus Vervollständigung
„Der Leser hat’s gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.“ – Kurt Tucholsky Der Schriftsteller kann sich seine Leser nicht aussuchen.

Sprachliche Pointe

Viele Aphorismen verblüffen den Leser mit einer sprachlichen Pointe, beispielsweise indem sie mit Worten spielen:

Wortspiel Erklärung Beispiel/th>
Amphibolie Man verwendet ein Wort gleichzeitig in verschiedenen Bedeutungen. „Das Wort ‚Familienbande‘ hat einen Beigeschmack von Wahrheit.“ – Karl Kraus
Paronomasie Ein Wort steht in der Nähe eines anderen Wortes, das ähnlich klingt, aber etwas anderes bedeutet. „Manche Dinge lassen sich leichter legalisieren als legitimieren.“ – Nicolas Chamfort
Kofferwort Zwei Wörter werden zu einem Wort verschmolzen. „In der deutschen Bildung nimmt den ersten Platz die Bescheidwissenschaft ein.“ – Karl Kraus

Manchmal überraschen Aphorismen, indem sie Zitate, Sprichwörter oder Redewendungen abwandeln:

Bekannte Formulierung Aphorismus
„Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ – Bibel (Lukas 18, 14) „Lukas 18,14 verbessert. – Wer sich selbst erniedrigt, will erhöhet werden.“ – Friedrich Nietzsche
Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. „Wer andern keine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“ – Karl Kraus
das Volk der Dichter und Denker „Die Deutschen – das Volk der Richter und Henker.“ – Karl Kraus

Einige Aphorismen verblüffen, weil sie neu geschaffene Wörter (Neologismen) enthalten oder ein Wortpaar umdrehen:

Neologismus „Es gibt Vorahmer von Originalen. Wenn zwei einen Gedanken haben, so gehört er nicht dem, der ihn früher hatte, sondern dem, der ihn besser hat.“ – Karl Kraus
Umkehrung „Besser eine Frage zu untersuchen, ohne sie zu entscheiden, als sie zu entscheiden, ohne sie zu untersuchen.“ – Joseph Joubert

Sachliche Pointe

Aphorismen können den Leser mit einer sachlichen Pointe überraschen, beispielsweise indem sie neuartige Gedanken ausdrücken:

  • „Vielleicht ist nichts ganz wahr – und sogar das nicht.“ – Multatuli
  • „Gegen manche Verteidigung.Die perfideste Art, einer Sache zu schaden, ist, sie absichtlich mit fehlerhaften Gründen zu verteidigen.“ – Friedrich Nietzsche

Um zu verblüffen, stellen Aphorismen manchmal auch eine vorherrschende Auffassung infrage:

  • „Das schwächste Glied einer Kette ist ihr stärkstes. An ihm reißt die Kette.“ – Stanisław Jerzy Lec
  • „Unsere Reue ist nicht so sehr ein Bedauern des Bösen, das wir getan, als Furcht vor dem, was uns daraus erwachsen kann.“ – François de La Rochefoucauld

Aphorismus: Beispiele

Hier findest du eine Übersicht wichtiger Aphoristiker mit je einem Aphorismus als Beispiel:

Aphoristiker Aphorismus
François de La Rochefoucauld (1613–1680) „Wir verzeihen oft denen, die uns langweilen, aber niemals denen, die wir langweilen.“
Jean de La Bruyère (1645–1696) „Man muss lachen, auch ehe man glücklich ist, sonst stirbt man, ohne gelacht zu haben.“
Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues (1715–1747) „Wir sollten vom Menschen, wie vom Wetter, das Beste und das Schlechteste erwarten.“
Nicolas Chamfort (1741–1794) „In der Liebe ist alles wahr, alles falsch. Sie ist das einzige Ding, über das man nichts Absurdes sagen kann.“
Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“
Joseph Joubert (1754–1824) „Ahmt die Zeit nach: Sie zerstört alles langsam, sie untergräbt, verbraucht, entwurzelt, löst ab, aber sie reißt nicht gewaltsam aus.“
Johann Gottfried Seume (1763–1810) „Wenn wir nicht von vorne anfangen, dürfen wir nicht hoffen weiterzukommen.“
Novalis (1772–1801) „Wir suchen überall das Unbedingte und finden immer nur Dinge.“
Ludwig Börne (1786–1837) „Man heilt Leidenschaften nicht durch Verstand, sondern nur durch andere Leidenschaften.“
Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916) „Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel.“
Friedrich Nietzsche (1844–1900) „Aus der Kriegsschule des Lebens. – Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“
Oscar Wilde (1854–1900) „Sich selbst zu lieben, ist der Beginn einer lebenslangen Liebschaft.“
Arthur Schnitzler (1862–1931) „Lebensklugheit bedeutet: alle Dinge möglichst wichtig, aber keines völlig ernst nehmen.“
Paul Valéry (1871–1945) „Gelungenes entsteht durch Verwandlung aus Verfehltem.

Verfehlt heißt demnach: zu früh aufgegeben.“

Karl Kraus (1874–1936) „Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten.“
Kurt Tucholsky (1890–1935) „Das deutsche Schicksal: vor einem Schalter zu stehen.

Das deutsche Ideal: vor einem Schalter zu sitzen.“

Elias Canetti (1905–1994) „Lesen, bis man keinen Satz mehr versteht, das erst ist Lesen.“
Stanisław Jerzy Lec (1909–1966) „Manchmal muss man verstummen, um erhört zu werden.“
E. M. Cioran (1911–1995) „Nicht die Angst, etwas zu unternehmen, die Angst, es zu erreichen, erklärt manch ein Scheitern.“

Mehr einprägsame Sprüche findest du hier:

Berühmte Zitate Hundezitate Zitate zum Ruhestand
Buddhistische Weisheiten Inspirierende Zitate Schöne Zitate
Coole Zitate Zitate über Lebensfreude Spruch des Tages
Englische Zitate Lustige Zitate Trauerzitate
Zitate über Erfolg Motivierende Zitate Traurige Zitate
Herbstzitate Zitate zum Nachdenken Weise Zitate
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Häufig gestellte Fragen zu ‚Aphorismus‘

Was ist ein Aphorismus in einem Satz?

Ein Aphorismus ist ein für sich allein stehender Sachtext in Prosa, der oft aus einem Satz besteht, Teile des gemeinten Gedankens ausspart und pointiert ist.

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Was sind die Merkmale eines Aphorismus?

Ein Aphorismus hat drei notwendige Merkmale:

  • Abgesondertheit von sprachlichem und situativem Kontext
  • Sachtext
  • Prosaform

Zudem muss mindestens eins der folgenden vier Merkmale vorliegen:

  • Einzelsatz
  • Aussparung wichtiger Teile des gemeinten Gedankens
  • sprachliche Pointe
  • sachliche Pointe

Diese Definition geht auf den Germanisten Harald Fricke zurück.

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Was muss ein Aphorismus auf jeden Fall sein?

Ein Aphorismus muss ein für sich allein stehender Sachtext in Prosa sein und mindestens eins der folgenden Merkmale erfüllen:

  • Einzelsatz
  • Aussparung wichtiger Teile des gemeinten Gedankens
  • sprachliche Pointe
  • sachliche Pointe

Diese Definition geht auf den Germanisten Harald Fricke zurück.

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Was bedeutet ‚Aphorismus‘?

‚Aphorismus‘ bedeutet ‚Abgrenzung‘.

Das Wort leitet sich von zwei altgriechischen Wörtern ab:

  • apo = ab, weg
  • horos = Grenze

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Was sind Beispiele für einen Aphorismus?

Fünf Beispiele für einen Aphorismus sind:

  • „Lebensklugheit bedeutet: alle Dinge möglichst wichtig, aber keines völlig ernst nehmen.“ – Arthur Schnitzler
  • „Wir sollten vom Menschen, wie vom Wetter, das Beste und das Schlechteste erwarten.“ – Luc de Clapier, Marquis de Vauvenargues
  • „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“ – Georg Christoph Lichtenberg
  • „Man ist nie so glücklich oder so unglücklich, wie man sich einbildet.“ – François de La Rochefoucauld
  • „Aus der Kriegsschule des Lebens. – Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“ – Friedrich Nietzsche

Tipp: 

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Was ist ein Aphorismus über Glück?

Ein Aphorismus über Glück ist:

„Man ist nie so glücklich oder so unglücklich, wie man sich einbildet.“ – François de La Rochefoucauld

Auf unserem Blog findest du mehr Zitate über Glück.

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Was ist ein Aphorismus über Freundschaft?

Ein Aphorismus über Freundschaft ist:

„Der höchste Beweis der Freundschaft ist nicht, einem Freunde unsere Fehler, sondern ihm die seinen sichtbar zu machen.“ – François de La Rochefoucauld

Auf unserem Blog findest du mehr Zitate über Freundschaft.

Tipp:

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Was ist ein Aphorismus über Liebe?

Ein Aphorismus über Liebe ist:

„In der Liebe ist alles wahr, alles falsch. Sie ist das einzige Ding, über das man nichts Absurdes sagen kann.“ – Nicolas Chamfort

Auf unserem Blog findest du mehr Zitate über die Liebe.

Tipp:

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Was ist ein Aphorismus zum Geburtstag?

Ein Aphorismus zum Geburtstag ist:

„Lebensklugheit bedeutet: alle Dinge möglichst wichtig, aber keines völlig ernst nehmen.“ – Arthur Schnitzler

Auf unserem Blog findest du mehr Zitate zum Geburtstag.

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Franz Strohmeier, M.Sc.

Franz hat einen Master in BWL und begeistert sich für die deutsche Sprache. Er lektoriert seit mehreren Jahren Sachtexte und schreibt über Grammatik, Logik und Stil.

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